Ludwigshafen und Blick auf den Bodensee

Trans-Baden-Württemberg – Rennradtour von Vorbachzimmern an den Bodensee

Was macht man, wenn die Freundin am Bodensee ist, das Wochenende auf einen zu kommt und man Langeweile und einigermaßen fitte Beine hat? Man fährt mit dem Rennrad an den Bodensee!

Ein kurzfristiger Entschluss

Meine Freundin und ich kamen Freitag Abend aus dem Urlaub zurück. Wir räumten unsere Sachen aus und meine Freundin begann sofort wieder damit unseren Bus erneut zu beladen um am Sonntag  an den Bodensee zu fahren und dort als Betreuerin bei der Campingkirche in Horn (Gaienhofen) zu helfen.

Ich hingegen hatte schon Montags nach der Arbeit wieder das Bedürfnis etwas Neues zu unternehmen. Ich fasste den Plan mit dem Rennrad an den Bodensee (nach Horn an den Untersee) zu fahren um meine Freundin „abzuholen“.

Nach ein paar Tagen Arbeit stand fest, dass ich mir den Freitag frei nehmen konnte um meinen Plan in die Tat umzusetzen.

Planung

Mein Plan war nach einigem stöbern auf opencyclemap.org, diversen Tourismus-Portalen und gpsies.de recht einfach:

  1. Von Niederstetten auf schnellstem Wege zum Hohenlohe-Ostalb-Radweg (ADFC-Tourenportal) – Einstieg Rot am See
  2. Auf dem Hohenlohe-Ostalb-Radweg bis an die Donau nach Ulm
  3. Eine Übernachtungsmöglichkeit in diesem Bereich finden
  4. Deutschland-Route 6 bzw. Donau-Radweg bis Tuttlingen folgen
  5. Von Tuttlingen „durchwursteln“ bis zum Bodensee bzw. nach Radolfszell
  6. Zu guter Letzt von Radolfszell noch einen Katzensprung am Bodensee entlang nach Horn.

Klingt einfach! Ist es theoretisch auch. In der Praxis haben sich unterwegs einige Problemchen eröffnet, die ein wenig Flexibilität erforderten… doch dazu nachher mehr.

Das „Abenteuer“ konnte also beginnen! Freitag früh morgens Abfahrt daheim, Samstagabend schon am Bodensee. Dazwischen nur „lächerliche“ 380 Kilometer Baden-Württemberg. Warum dann dieses nervöse Kribbeln in der Magengegend?

Etappe 1 – Vorbachzimmern nach Dellmensingen

Abschnitt 1

Freitagmorgen 07:20 Uhr rolle ich von der Einfahrt um mich auf den Weg zu machen. Es ist mit 8°C einigermaßen kühl und ich habe über meinem langärmligen Trikot meinen dünnen Windbreaker an.

Abschnitt Vorbachzimmern, Rot am See
Abschnitt Vorbachzimmern, Rot am See

Das erste Stück von Vorbachzimmern bis Oberstetten (auf dem Fahrradweg) fröstele ich etwas bis mein Körper beim Anstieg nach Schrozberg auf der Landstraße auf Betriebstemperatur kommt. Das Wetter ist etwas wolkenverhangen und die aufgehende Sonne schiebt sich nur selten zwischen Horizont und Wolkenbänken in mein Blickfeld.

Von Blaufelden bis nach Rot am See fahre ich entlang der B290, auf der nicht viel los. Anschließend führt mich der Weg im Wechsel auf Landstraßen und Radwegen durch Hohenlohe. Crailsheim passiere ich westlich in einiger Entfernung worauf mich allerdings nur einige Schilder aufmerksam machen. Wäldchen und Dörfer wechseln sich ab. Das eine oder andere Mal ärgere ich mich ein wenig, weil der Weg mich über leidlich befestigte und geschotterte Feld- oder Waldwege führt und ich ahne, dass der Hohenlohe-Ostalb-Radweg nicht primär auf rennradelndes Volk ausgelegt ist.

Abschnitt Ellwanger Berge
Abschnitt Ellwanger Berge

„Wer hat eigentlich diese Ellwanger Berge dahin gestellt?“, frage ich mich während ich mich in einem Waldstück eine 8%-Steigung auf einer schlechten Schotterpiste hinaufquäle. Bei einem Versuch vorsichtig aus dem Sattel zu gehen, spritzen hinter mir Steinchen in die Botanik, ansonsten ist kein weiterer Vorschub zu erkennen – dann eben wieder „aussitzen“ wie Jan Ulrich.

Ich spüre dass es ein wenig wärmer wird, während ich auf der Straße an einem Flüsschen (Rotbach bei Rechenberg) unterwegs bin. Ein Blick auf meinen Fahrradcomputer meldet 13°C. Einige Beschilderungen Richtung Ellwangen habe ich bereits hinter mir gelassen – die letzte meldete 5 km.

Als ich die ersten Ausläufer von Ellwangen erreiche ist es 10:20 Uhr. Ich habe also die ersten drei Stunden Fahrt und fast 70 km hinter mir. Fast alles reine Fahrzeit – unterwegs habe ich nur zwei- oder dreimal kurz gehalten um meinen Rucksack etwas zu justieren.

Ich rolle in die Stadt und beschließe mich erst mal mit einem kleinen zweiten Frühstück zu belohnen und mit einer Tasse Espresso aufzuwärmen.

Zweites Frühstück (Ellwangen)

Ich bemerke im Vorbeifahren einen REWE mit integriertem Kaffee und halte an. An der Theke ordere ich ein Stück warmen „Flammkuchen“ und eine Tasse Espresso und quetsche mich auf ein Bistro-Barhöckerchen. Der etwas zu dick geratene Flammkuchen ist eher ein Zwiebelkuchen mit einem so zähen Rand, dass ich ihn zurück lasse um ihn nicht noch weitere 20 km weit kauen zu müssen. Geschmacklich ist der Flammkuchen sonst ausgezeichnet und auch der Espresso kann sich sehen lassen.

Zweites Frühstück - "Flammkuchen und Espresso"
Zweites Frühstück – „Flammkuchen und Espresso“

Während ich so sitze werde ich des Öfteren betrachtet wie ein Außerirdischer – ob es an mir selbst liegt, oder an dem ungewohnten Bild morgens halb elf in Deutschland an einem Freitag an dem der Mann doch eigentlich zu arbeiten hat, kann ich nicht herausfinden.

Aufgewärmt bin ich noch nicht wirklich (die Heizung im Service-Bereich ist leider aus), aber ich beschließe trotzdem weiter zu fahren in Anbetracht der Tatsache, dass der größte Teil der Strecke noch vor mir liegt.

Abschnitt 2

Abschnitt Ellwangen, Oberkochen
Abschnitt Ellwangen, Oberkochen

Im Zickzack führt mich der Fahrradweg aus Ellwangen heraus und an der Jagst entlang. Die Wege können sich sehen lassen und ich fahre zügig am Bucher Stausee (Jagst) vorbei bis nach Lauchheim von wo aus mich die vorher ausgesuchte Route touristisch wertvoll erst mal bis dicht an Aalen heran führen will.

Als ich den Waldweg kurz nach Simmisweiler (das Dorf ist so klein wie es sich anhört) erblicke muss ich mir wieder vor Augen führen, dass ein Rennrad kein Mountainbike ist. Ich wühle wild in meinem Fahrradcomputer und beschließe fortan, mich nicht mehr von der eigentlichen Route geißeln zu lassen, sondern mich wo es geht auf vernünftige Straßen oder geteerte Radwege zu verlassen.

Ich fahre ein Stück zurück und quetsche mich an Aalen westlich vorbei. Ich passiere Unterkochen und Oberkochen, beide Städte fest in der Hand von Carl-Zeiss – ich denke zunächst ich fahre im Kreis, denn immer wieder kommt noch ein Schild von Zeiss und noch ein Werk.

Schließlich gelange ich nach Heidenheim an der Brenz. Es ist 13:45 Uhr und Zeit für eine Pause. 126 km liegen hinter mir und insgesamt 5:15 Stunden reine Fahrzeit – die Differenz zur kompletten Zeit rührt aus meiner Pause in Ellwangen und diversen Zwangs-Navigationsstopps rund um Aalen.

Mittagessen (Heidenheim an der Brenz)

Abschnitt Heidemheim an der Brenz
Abschnitt Heidemheim an der Brenz

Mein Fahrradcomputer weist mir nach ein paar Klicks den Weg zum besten Freund des Rennradlers – dem Italiener.

Warum die grün-weiß-roten Spezialitäten-Etablissements den Rennradfahrer im allgemeinen anziehen, kann ich nicht genau sagen – bei mir war es nur der Wunsch einem Klischee nachzugeben. Spagetti-Bolognese, alkoholfreies Weizen und anschließend einen Espresso – danach sieht die Welt gleich viel besser aus.

Langsam merke ich die Kilometer in den Beinen und würde gerne noch ein wenig sitzen bleiben nach dem Essen, wenn nur nicht die typischen Biergarten-Stühle so unbequem wären.

Mittagessen Osteria La Strada, Heidenheim
Mittagessen Osteria La Strada, Heidenheim

Abschnitt 3

Als ich mich wieder aufs Rennrad schwinge ist es 14:30 Uhr. Ich fahre los Richtung Herbrechtingen und halte immer Ausschau nach einem Fleckchen wo ich nochmal die Beine ein wenig hochlegen kann.

Nach etwa acht Kilometern ist es dann soweit – als ich eine kleine Brücke über die Brenz passiere sehe ich einen geeigneten „Rastplatz“

Endlich mal die Beine hochlegen

Direkt nach der Brücke auf der rechten Seite ist eine Kneippanlage mit fließendem Wasser angelegt, welches direkt in die Brenz führt. Zu der Anlage gehört auch eine typische hölzerne Rastplatz-Sitzgarnitur – eine Tisch-Doppelbank-Kombination.

Ich stelle mein Rennrad ab, freue mich darüber, dass just in diesem Moment die Sonne ein paar Wolken verdrängt und lege mich auf die Bank – Kopf auf dem Rucksack um zu dösen.

Es ist zu diesem Zeitpunkt ziemlich genau 15 Uhr, ich habe noch jede Menge Zeit bis es dunkel wird und habe schon einiges an Strecke gemacht. Ich stelle mein Handy auf Alarm für 15:30 Uhr – nur zur Sicherheit.

Nun – ich brauche den Wecker nicht. Nach 20 Minuten poltert eine kleine Familie mit Hund wandernd heran und macht ebenfalls Rast an der Kneippanlage. Das kleine, nackte Kind hüpft quiekend durch die eiskalte Kneippanlage und der Hund (mit Bällchen) gleich hinterher.

Ich dehne mich noch ein wenig und breche nach kurzem Gespräch über das „Woher“ und das „Wohin“ pünktlich auf. Ich fühle mich ausgeruht und die Sonne wird sich wohl für den Rest des Tages durchzusetzen. Wenn das mal keine guten Zeichen sind…

Abschnitt 4

Abschnitt Ulm, Dellmensingen
Abschnitt Ulm, Dellmensingen

… denkste! Ich bin kaum ein paar hundert Meter weit gekommen, als mein Fahrradcomputer mir befiehlt links abzubiegen. Was er da für einen Fahrradweg hält, halte ich für einen groben Anschlag auf meinen High-Tech Drahtesel. Ich betrachte die Karte auf dem Gerät und stelle außerdem fest, dass es sich um einen völlig sinnlosen Umweg handelt.

Ich beschließe auf der Landstraße zu bleiben und über Dettingen Am Albuch und Haus ob Lontal den Weg des geringsten Widerstands Richtung Ulm/Neu-Ulm einzuschlagen.

Die Beschilderungen geben mir Recht und bestätigen mich in meinem Tun.

Ich kreuze auf meinem Weg zweimal die A7 und schließlich nach Göttingen einmal die A8 und schon befinde ich mich im Sichtbereich der Donau in Unter-, Ober- und Elchingen.

Von hier aus befahre ich den gut ausgebauten Donau-Radweg, welcher mich auch morgen noch ein gutes Stück weit führen soll. Ich beschließe meine vorher aus dem Internet herausgesuchten Gasthöfe abzutelefonieren um ein Zimmer zu ergattern. Ich beginne mit meinem Favoriten – Brauerei-Gasthof Adler in Dellmensingen (Erbach) kurz hinter Ulm und genau auf der Richtigen Strecke um morgen weiter zu fahren.

Ich habe Glück – es ist noch ein Zimmer frei – doch dazu später mehr.

Der Radweg führt entlang der Donau und an Parkanlagen vorbei durch Ulm/Neu-Ulm. Auf Sight-Seeing habe ich keine Lust also spare ich mir einen Abstecher zum Ulmer Münster und dergleichen.

Ich verlasse Ulm und passiere das Industriegebiet Donautal. Mein Fahrradcomputer weiß längst dass ich nach Dellmensingen will und der Mann am Telefon hat gesagt ich müsse mich nur an der Kirche orientieren, der Gasthof wäre direkt daneben. Ein paar Kilometer also nur noch.

Sie haben ihr Ziel erreicht: Brauerei-Gasthof Adler

Es ist 17:55 Uhr als ich den Gasthof in Dellmensingen erreiche. Er war tatsächlich einfach zu finden direkt neben der Kirche. Als ich absteige hat es die Sonne zwischenzeitlich sogar auf 21°C gebracht und senkt sich nun nach getanem Werk langsam wieder dem Horizont entgegen.

Ich habe 184 km (mit 1917 Höhenmeter) hinter mir und 7:32 Stunden Fahrzeit.

Der Biergarten ist leer und der Gasthof ist ausgestorben. An der Türe steht, es wären für die Gastwirtschaft Betriebsferien, aber der Hotelbetrieb und Getränkemarkt wäre davon nicht betroffen.

Als ich den Gasthof betrete muss ich laut rufen bis ich jemanden finde. Ein alter Mann (92 Jahre wie er mir später berichtet) – der Senior des Hauses hält die Stellung solange „die Jungen“ noch unterwegs sind. Er überreicht mir einen Zimmerschlüssel für ein Einzelzimmer und wir unterhalten uns ein wenig über meine Anreise und meine Pläne. Er war früher auch viel unterwegs zum Wandern und Radfahren und ihm gefällt meine Tour.

Ich verabschiede mich von ihm und suche mein Zimmer im ersten Stock in freudiger Erwartung einer heißen Dusche und eines gemütlichen Betts. Beides ist mir sogleich vergönnt. Das Zimmer ist sauber und nett eingerichtet und ich kann mich hier bequem ausbreiten.

Unterkunft im Gasthof Adler, Dellmensingen
Unterkunft im Gasthof Adler, Dellmensingen

Wäre ich ein Spitzenathlet oder ein Schreiberling von einer Rennrad-Zeitschrift würde ich jetzt natürlich die schöne Tour vor meinem geistigen Auge noch mal Revue passieren lassen, aber dazu bin ich zu müde. Die Beine tun weh, der Hintern auch und vom Rücken reden wir erst gar nicht. Ein wenig Muskeltonikum, spartanisches Abendessen, ein paar Anrufe (zu Hause, bei Meiner Freundin, bei den Eltern) und das war es dann auch für heute!

Gute Nacht – auf dass es Morgen gut weiter geht.

Etappe 2

Gestern Abend wurde ich noch gefragt wann ich gerne frühstücken würde und erntete einen verwunderten Blick als ich 6:30 Uhr angab. Als ich heute morgen dann um 6:35 Uhr nach unten ging, stand wie gewünscht alles bereit.

Es hatte sich abends wohl noch ein zweiter Gast in den Gasthof verirrt, der ebenfalls kurz nach mir im Frühstücksraum eintraf.

Das Frühstück ist lecker, üppig und es gibt sogar ein heißes Frühstücksei nebst frisch gebrühtem Kaffee. Ich stärke mich an Müsli mit Milch, Brötchen mit Käse und Nutella (unterschiedliche Brötchen versteht sich) und frischem Kaffee.

Anschließend gehe ich zu der netten Frau, die scheinbar die Frühschicht im Gasthof übernommen hat und zahle mein Zimmer. 40 Euro für das Einzelzimmer pro Nacht mit Frühstück finde ich angemessen.

Abschnitt 1

Abschnitt Dellmensingen, Munderkingen
Abschnitt Dellmensingen, Munderkingen

Ich schließe draußen mein Rennrad auf und reinige kurz Kette und Speichennippel mit einem Tuch und Balistol um lästige Geräusche schon von Beginn an zu unterbinden.

Es ist wieder ziemlich kühl – 10°C um genau zu sein – und die Sonne soll sich heute wohl eher nicht blicken lassen. Ich muss laut Wetterbericht wohl eher froh sein, wenn ich halbwegs trockenen Fußes am Bodensee ankomme. Ich werde wohl heute den ganzen Tag meinen Windbreaker nicht ausziehen können.

07:15 Uhr – das Navi führt mich direkt zurück auf den Donau-Radweg dem ich heute noch einige Kilometer weit folgen werde.  Die Tagesetappe ist laut Planung etwa 180 km lang. Zunächst jedoch halte ich Ausschau nach einem Supermarkt um meinen Trinkrucksack und meine Fahrradflaschen wieder aufzufüllen – das habe ich heute morgen nämlich glatt vergessen.

Getränke auffüllen

Nach Konsultation meines Fahrradcomputers finde ich schnell einen REWE in Öpfingen – muss allerdings noch ein paar Minuten warten bis er öffnet was ich zur „Klar-Meldung“ per Handy an die „Oberste Heeresleitung“ und Familie nutze.

Da ich außerdem Zeit habe die Karte zu studieren, kommt mir die Idee über Sigmaringen und Tuttlingen zu fahren immer schlechter vor, da die eingezeichneten Wege nicht besonders vertrauenserweckend anmuten. Ich beschließe daher lieber wieder auf Straßen zu vertrauen und Umwege zu vermeiden und will mich ab Mengen (noch an der Donau) nach Meßkirch wenden.

Abschnitt 2

Abschnitt Munderkingen, Riedlingen
Abschnitt Munderkingen, Riedlingen

Gesagt getan – 08:20 Uhr – weiter geht die Fahrt. Zu behaupten, dass der Donau-Radweg immer an der Donau entlang führen würde, wäre glatt gelogen. Immer wieder entfernt sich der ausgewiesene Radweg und führt durch Felder und wiesen teils schnurgerade, teils verschlungen mal zur Donau hin, mal wieder davon weg.

Über Ehingen, Munderkingen, Obermarchtal und Riedlingen führt mich der Weg nach besagtem Mengen. Dabei bleibe ich bei der Routen-Verfolgung flexibel, denn auch hier ist hin und wieder grober Schotter das Mittel zu Wahl der „Straßen“-Befestigung. Die 70 Kilometer-Marke habe ich vor kurzem passiert.

Ab Mengen ist Meßkirch ausgeschildert – und der Beschilderung ist auf der Straße leicht zu folgen. Die Strecke, obwohl sie im Vorfeld nicht so geplant war, verläuft reibungsloser als so manches Teilstück vorher.

Ich passiere kurz nach Mengen den Zielfinger Vogelsee und bleibe auf einer wenig befahrenen Landstraße die mich fast direkt nach Meßkirch führt.

Kurze Rast auf einer Bank
Kurze Rast auf einer Bank – die Sonne blitzt gerade zwischen den grauen Wolken durch… „nur noch 5 Minuten Mama…“
Abschnitt Mengen, Meßkirch
Abschnitt Mengen, Meßkirch

Kaum zu glauben, aber der größte Teil der Tagesetappe liegt als ich Meßkirch erreiche schon hinter mir. Was sich nämlich nach einem Katzensprung anhört – weil es zugegebenermaßen von mir auch nicht ausführlicher beschrieben wurde – sind in Wirklichkeit fast 100 (genau genommen 96) Kilometer und 4:05 Stunden Fahrzeit.

Der Grund für meine eingeschränkte Beschreibung bis hier ist der wunderbar unkompliziert-ereignislose Streckenverlauf. Man könnte ihn fast schon als langweilig bezeichnen, aber das wäre negativ besetzt – es kommt mir nämlich sehr entgegen dauernde Navigationsstopps und Buckelpisten zu vermeiden.

Erstaunlicherweise sind meine Wasservorräte schon wieder leer und ich halte in Meßkirch an einem Supermarkt um sie wieder zu füllen. Vor Ort bemühe ich sogleich meinen Fahrradcomputer um auch für ein anständiges Mittagessen zu sorgen. Einen Italiener gibt es hier scheinbar nicht und die anderen Restaurants haben so wunderbar nichtssagende Namen also fahre ich ein bisschen in der Innenstadt herum.

Mittagessen Hotel Adler Alte Post

Als ich an einem Restaurant/Hotel mit Biergarten vorbeikomme gewinne ich einen guten Eindruck. Zwar ist es mir zum Draußen-Sitzen zu kalt, aber die Gute Stube macht einen nicht minder guten Eindruck.

Es ist 13:55 Uhr und die Kellnerin meint, ich müsse mich schnell entscheiden, weil gleich die Küche schließt. Wie aus der Pistole geschossen gebe ich meine Bestellung auf – die Karte hatte ich draußen am Aushang bereits überflogen: Käsespätzle und ein alkoholfreies Weizen. Sie ist positiv überrascht und ich positiv hungrig.

Mittagessen - Käsespätzle mit Röstzwiebeln
Mittagessen – Käsespätzle mit Röstzwiebeln

Als ich kurz darauf die Riesen-Portion Käsespätzle mit Röstzwiebeln vor mir stehen habe, fallen mir fast die Augen raus! Die besten Käsespätzle diesseits der 1500m-Alpen-Region.

Der obligatorische Espresso kommt im Anschluss natürlich auch noch auf den Tisch.

Abschnitt 3

Abschnitt Meßkirch, Ludwigshafen (Bodensee)
Abschnitt Meßkirch, Ludwigshafen (Bodensee)

Als ich aufbreche ist es 14:45 Uhr und ich habe noch geschätzte 60 Kilometer vor mir. Die „Abkürzung“ über Meßkirch macht demnach etwa 20 Kilometer aus, welche ich mich nicht Windung und Windung an der Donau entlang schlängeln muss. Nach dem guten Mittagessen habe ich wieder Energie und meine Muskeln haben sich etwas entspannt.

Einzig mein linkes Knie tut etwas weh – dort habe ich einen „Knubbel“ an der Kniescheibe (schon immer) der irgendwo reibt. Nichts im Gelenk also, sondern oberflächlich, dennoch nicht minder lästig. Ich beschließe mein Knie etwas zu tapen (Kinesio-Tape) und fahre anschließend los.

Ich bleibe schmerzfrei bis sich das Billig-Tape (so ein #+~%$!) löst und ich es schließlich komplett entfernen muss. Ich bin bereits an Sauldorf vorbei und komme in die Nähe von Hohenfels. Die Landstraße ist fast leer und es geht gut voran.

Vor dem Bodensee liegen noch ein paar steilere Steigungen auf den Radwegen und Nebenstraßen, welche meinem Knie (und mir) etwas zusetzen. Ich überlege meine Freundin anzurufen und mich abholen zu lassen. So kurz (35 km) vorm Ziel? Kommt gar nicht in Frage!

Ich fahre komme nach Ludwigshafen (Bodmann-Ludwigshafen). Über eine Serpentinenstraße mit wunderbarem Blick über den Bodensee fahre ich in die Stadt ein.

Ludwigshafen und Blick auf den Bodensee
Ludwigshafen und Blick auf den Bodensee

Ich suche mir eine Bank und verwende noch einmal das Billig-Tape – diesmal fixiere ich die Enden aber so, dass es sich nicht mehr lösen können auf den letzten 35 Kilometern. In Gedanken verabschiede ich mich außerdem schon von Teilen meiner Beinbehaarung, die sicherlich nicht davon erfreut sein wird, wenn ich das Tape die nächsten Tage wieder entferne.

Anschließend – tadaaaaaa – absolut schmerzfrei! Verdammter Kniescheibenknubbel!

Abschnitt Bodensee, Horn
Abschnitt Bodensee, Horn

Von Ludwigshafen führt der Radweg kurz am See entlang und dann durch Wiesen nach Bodmann. Die Fahrradwege sind ausgezeichnet, mit super Aussicht und Umgebung.

Radolfszell steht schon auf den Radweg-Schildern angeschrieben und ich folge ihnen vorbei an Bodensee-Obst-Plantagen und Wiesen. Die Wolken wirken ein wenig weniger Grau als noch zuvor, was aber auch an meiner Stimmung liegen kann, die sich mit jedem Kilometer zusehends aufhellt, nachdem sie wegen der Kniesache in den Keller gerutscht war.

Ich passiere die ersten Ausläufer der Stadt – ein vertrauter Anblick, denn in Radolfszell war ich schon öfter. Ab hier finde ich den Weg auch ohne Schilder und Karte, denn von Horn nach Radolfszell und zurück bin ich die letzten Jahre einige Male mit dem Mountainbike gefahren.

Der Fahrradcomputer zeigt noch etwa 4,5 Kilometer als eine bekannte Gestalt in Gegenrichtung an mir vorbei huscht – ich rufe ihren Namen und wir legen beide eine Vollbremsung hin. Ich begrüße die Gestalt. Armin, ein anderer Betreuer (und die „Rampensau“ schlechthin) bei der Campingkirche, ist gerade auf dem Weg Gemüse für das Abendessen zu besorgen. Ich halte ihn nicht lange auf – es ist nicht mehr weit.

Die letzten Kilometer fliegen dahin und ich rolle ein paar Minuten später vom Strandweg aus auf den Campingplatz in Horn.

Ziel

Ich habe es tatsächlich geschafft! Fast 340 Kilometer liegen hinter mir (dank intelligenter Abkürzungen) – 151 Kilometer davon heute! Ich suche meine Freundin und begrüße sie.

Ich begrüße auch den Rest der Truppe und werde zum Abendessen eingeladen. Die Teamer und Praktikanten kommen an einer großen Runde unter ein Wohnwagenvorzelt zusammen, bevor tatsächlich ein Wolkenbruch epischen Ausmaßes niedergeht, der mich froh sein lässt, noch rechtzeitig angekommen zu sein.

Nach dem Essen machen sich die Teamer daran das Abendprogramm vorzubereiten und ich verziehe mich in unseren VW-Bus. Mir ist kalt und ich bin platt. Ich drehe nur noch den Heizlüfter auf und lege mich ins Bett. Schlafen kann ich allerdings erst später, als sich meine Freundin dazu gesellt.

Zusammenfassung

So nimmt mein „Abenteuer“ sein gutes Ende. Es hat trotz der Widrigkeiten Spaß gemacht und war für mich „Tagestouri“ eine neue Erfahrung. Ohne (zugegebenermaßen selbstgemachten) Zeitdruck bietet die Tour sicherlich einiges an Sehenswürdigkeiten welche ich Banause einfach habe links (oder rechts) liegen lassen.

Für mich ziehe ich die Erfahrung, „Traue niemals einem Fahrradweg, wenn du mit dem Rennrad unterwegs bist!“, heraus. Ein Punkt den ich mir für die Zukunft merken und berücksichtigen werde.

Für alle, die noch nicht abgeschreckt sind, habe ich unten die Track-Dateien im *.gpx-Format angeführt. Einmal meine Aufgezeichneten Etappen und dann noch die vorhergehende Planung laut Radnetz – die mit einem Touren- oder Bergrad sicher ohne weiteres zu fahren sind. Rennradler können sich gerne an meine Tour halten, wobei ich leider nicht alle Schotterpisten umschifft habe – seht den Track als Orientierung.

Vielen Dank an alle die mich unterwegs via Facebook unterstützt haben und an alle die tatsächlich bis hier hin gelesen haben – keine Angst es kommen nur noch die Statistik und die Tracks.

Statistik

Statistik - Etappe 1
Statistik – Etappe 1
Statistik - Etappe 2
Statistik – Etappe 2
Statistik - Gesamt
Statistik – Gesamt
Vorbachzimmern, Horn - Gesamt - Höhenprofil
Vorbachzimmern, Horn – Gesamt – Höhenprofil

Tracks

Die beiden Etappen gibt es auch bei gpsies.de

GPSies - Trans-BaWü - Etappe 1 - Vorbachzimmern, Dellmensingen
GPSies – Trans-BaWü – Etappe 1 – Vorbachzimmern, Dellmensingen
GPSies - Trans-BaWü - Etappe 2 - Dellmensingen, Horn
GPSies – Trans-BaWü – Etappe 2 – Dellmensingen, Horn

 

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