Endspurt zum Zieleinlauf - Gleich auf - Aber die meisten Körner hatte ich

Weinturmlauf Bad Windsheim 2015

Bad Windsheim – bisher in meinem Gedächtnis nur verankert durch Frankentherme, Sauna und Entspannung – verändert sein Gesicht für einen Tag – den 16. März 2015 zum Weinturmlauf. Ich war auf den 10 Kilometern dabei – von Entspannung keine Spur *zwinker*…

Bereits eine Woche nach dem Würzburger Gedächtnislauf sollte der Weinturmlauf in Bad Windsheim statt finden. Eigentlich keine gute Idee, aber ich bin ja kein Spitzensportler und muss auch nicht permanent Bestleistungen erbringen also war schon einen Monat zuvor klar, dass ich mitlaufen würde und ich machte die Anmeldung für den 10K klar.

Strecke für den 10K
Strecke für den 10K
Wie im Bild zu sehen führte die Strecke rund um den Golfplatz, bzw. rund um einen ausgeprägten Hügel (ich komme später noch darauf, dass es sich hierbei nur um einen Ausläufer des Himalaja handeln kann) auf dem der besagte Weinturm steht (angeblich – ich habe ihn nicht zu Gesicht bekommen).

Wettkampftag

Die Anfahrt von zu Hause sowie das finden eines Parkplatzes gestaltete sich aufgrund der sehr guten Organisation als absolut problemlos. Für den Lauf wurde eigens der Parkplatz eines örtlichen Sonderpostenmarktes akquiriert der sich auch nur etwa 5 Gehminuten vom Läuferzentrum bzw. der Kiliani-Klinik befindet.

Startnummernausgabe

Die Einweiser waren sehr hilfreich und die Beschilderung ausgezeichnet. So konnte ich zusammen mit meiner Freundin und meinen Eltern, die ich diesmal im Schlepptau hatte, ohne Stress und Aufregung (naja *hüstel*) ganz entspannt die Startnummernausgabe im Foyer der Kiliani-Klinik besuchen und mir die Startlinie ansehen.

Zeit totschlagen

Natürlich war ich – waren wir – wie gewohnt viel zu früh vor Ort und so diente uns kurzerhand das Kaffee der Frankentherme als Wärmestube. Der kalte und böige Wind lies mich direkt an meinem ausgewählten Laufdress zweifeln… aber tut man das nicht ohnehin immer vorher?

Warmlaufen

Nach der passiven Erwärmung sollte dann die aktive Erwärmung folgen, denn die Zeit ging langsam auf den Startpunkt zu. Zurück in der Parkanlage der Kiliani-Klinik, waren bereits die Starter des Nordik-Walking-Events in Position und die Halbmarathoni scharrten ebenfalls schon mit den Gummihufen.

Warmlaufen zum Weinturmlauf
Warmlaufen zum Weinturmlauf
Jetzt nur nicht „narrisch“ machen lassen – los geht’s, warmlaufen. Gesagt getan. Während meine Eltern den Start beobachteten, begab ich mich auf ein paar kleine Runden durch den Park um mich etwa 10 Minuten lang auf Betriebstemperatur zu bringen. Meine Freundin hielt das natürlich brav für die Nachwelt fest. Der weiße verschwommene Fetzen an meinem Schuh ist übrigens kein Klopapier sondern der Einweg-Transmitter für die Zeitnahme.

Start

Dann war es auch soweit… Schnürsenkel doppelt geknotet, Startnummer nochmal richtig platziert, GPS-Empfang sichergestellt, zum 10ten mal die Brille geputzt… SCHUSS!

Los gehts - Kurz nach dem Start
Los gehts – Kurz nach dem Start
Das Rudel setzte sich in Bewegung – gut gelaunte Gesichter, lockere Waden und der Geruch nach Sportwaschmittel machten sich auf den Weg auf die 10 km Runde um den Weinturm.

Schock

Der Weg führte durchs Wohngebiet, raus aus der Stadt auf einen Fahrrad-/Gemeindeverbindungsweg. Blick auf die Uhr – Pace passtTemperatur ist auf einmal angenehm und Gefühl in den Beinen ist gut. Werde dann von einer Läuferin überholt die einen Kinderjogger vor sich her schiebt… whaaaat??? Wenn ich mich nicht irre ist das geschlossene Ding in überbreite für zwei Kinder geeignet und da höre ich es auch schon quitschen – und zwar nicht von den Rädern! Da hat wohl jemand Spaß… kann ich verstehen *grins*!

Als der Weg die erste scharfe Biegung (auf der Karte zu sehen) macht geht es kurz mal recht steil den Berg hoch – und vorbei bin ich wieder am Kinderwagen. Erst einmal oben geht es dann schön gleichmäßig leicht bergab – da ist sie wieder, die Kinderwagenpilotin aus Dickewadistan. Großartige Leistung! Sie überholt auf der Außenbahn quasi „offroad“ und ich komme kurz mit einem Mitläufer ins Gespräch, der meinte, es hätte wohl seine Vorteile, wenn man seine eigene Cheerleadertruppe gleich mitführt. Aber der nächste Anstieg, der kommt bestimmt dachte ich bei mir – naiv wie ich feststellen musste.

Himalaja

Es kam nämlich kein Anstieg, es kam ein Berg… ein ausgewachsener Himalaja-Ausläufer mitten in Franken… was hätte ich für eine Sauerstoffflasche gegeben! Immer länger (und steiler) ging es den verflixten Schicksalsberg hinauf… beim Zurückblicken wurden die Menschen so klein wie Ameisen… könnten aber auch Ameisen gewesen sein. Ich lief neben einem AK40 mit sportlicher Statur und wir zogen uns gemeinsam den Berg hoch. Dabei überholten wir den einen oder anderen Mitläufer, einige waren stückweise zum gehen übergegangen, die harte Kinderwagenpilotin war längst zurück gefallen. Dann kam das Ende der Steigung und die Verpflegungsstation in Sicht.

Höhenprofil des 10K
Höhenprofil des 10K

Verpflegung

Ein Becher Wasser und eine leichte Senke sorgten für eine kurze Verschnaufpause bei Kilometer 5.5 – die Pace war wieder da, wo sie hingehört und der Puls war auch wieder von seinem hohen Ross geklettert. Dann kam der Gegenwind.

Wind aus Nord-Nord-West

Kaum war die Verpflegungsstation passiert, das Becherchen leer „getrunken“ (ein Schluck für mich, der Rest unfreiwillig für mein Shirt) wurde aus dem geteerten Feldweg ein Fahrweg – jeweils mit Betonplatten auf beiden Seiten und in der Mitte Grünzeug und Schotter – und es ging mehr oder weniger über freies Feld. Schon trafen mich die bereits eingangs erwähnten Windböen und ich lies ein leises „Och nöööö“ verlauten, mehr zu mir selbst, als zu den 4 Läufern um mich herum, die allerdings belustigt einstimmten.

Nach ein paar Windungen des Weges führte die Strecke zurück auf eine (für diesen Zweck) gesperrte Straße und die Ausläufer von Bad Windsheim zeichneten sich jetzt auch wieder ab. Der Wind hatte nachgelassen und es ging jetzt besser voran. Etwa 2.5 km lagen noch vor mir.

Kurpark

Von der Straße ging es dann etwa bei Kilometer 8.5 bis 9 in den Kurpark und man konnte schon „die tosende Menge“ hören… das ist jetzt vielleicht übertrieben, aber es war auf jeden Fall einiges los und die Rufe waren nicht zu überhören. Noch einmal konzentrieren. Die beiden Mädels will ich eig. überholen, sie laufen nebeneinander mit einheitlichen T-Shirts – es geht in eine enge Kurve und ich will auf der Innenseite vorbei… stolpere über eine Wurzel, drei schnelle Schritte… geschafftwar so geplant! *hüstel*

Zielgerade

Als ich auf die Zielgerade biege sehe ich 30 Meter vor mir einen Läufer, 35 Meter vor mir eine Läuferin… naja, man muss halt Ziele im Leben haben. Ich ziehe also an und gehe zum Endspurt über…

Endspurt zum Zieleinlauf - Gleich auf - Aber die meisten Körner hatte ich
Endspurt zum Zieleinlauf – Gleich auf – Aber die meisten Körner hatte ich
Ich kämpfe mich an sie ran – sie sind jetzt gleich auf, denn der Herr in Blau hat ebenfalls schwer angezogen. Aber es sind ja nur noch ein paar Meter und ich fühle mich zu diesem Zeitpunkt grandios (Adrenalin ist was feines)! Ich werde so schnell – dass meine Freundin wohl aufgrund relativistischer Effekte kein scharfes Bild mehr von mir machen und nur noch einen Ellenbogen festhalten konnte, den ich mir hier spare. Ich schaffe es gut an ihnen vorbei und laufe durch den Zielbogen!!

Yeahhhh!!! Finish!

Puhhh Luft - Geschafft
Puhhh Luft – Geschafft
Das Männchen mit der unpassenden Kombination aus orangenfarbenem Dress und roten Kopf bin übrigens ich… Sauerstoff = Mangelware. Geschafft, kaputt und glücklich. Die Uhr sagt 52:13 Minuten! Yeah! Das war ein ganzes Stück besser als ich erwartet habe!

Und es ist immer noch kalt
Und es ist immer noch kalt
Nach einer kleinen Stärkung und warmem Tee geht’s gleich viel besser, aber wie ich feststellen muss, ist es eigentlich immer noch A****kalt und so machen wir uns nach einem kurzen Besuch im Läuferzentrum auf zum Mittagessen und nach Hause!

Geiler Lauf und super Organisation kann ich nur sagen!

Offizielle Ergebnisse

Bereits am nächsten Tag sind die offiziellen Ergebnisse online – die Urkunden gehen dann einen Tag später ebenfalls online:

Ergebnisse vom SAS-Online
Ergebnisse vom SAS-Online
Da schau an – die Uhr hat recht gehabt – super! Ich bin sehr zufrieden mit meiner Zeit! Eine kleine Überraschung gab es dann auch noch – ein Video vom Zieleinlauf für jeden:

Das ist ja der Hammer! Was es nicht alles gibt…
Die Veranstalter und Zeitnehmer sind echt klasse. Ich freue mich wirklich, dass ich am Weinturmlauf dabei war. Vielen Dank! I’ll be back! (Vielleicht kann man den Berg ein wenig abtragen, aber sonst…)

Hey und wenn ihr tatsächlich bis hier hin gekommen seid mit lesen – ebenfalls vielen Dank an euch!

Viel Spaß beim Laufen,
Andi

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