Startnummer 123

Rothenburg Halbmarathon – 10K – 2015

Rothenburg ob der Tauber – bei mir um die Ecke – mittelalterliche Altstadt, deutschlandweit bekannt und von asiatischen Touristen geradezu überlaufen – aber: malerische Kulisse und immer wieder schön – und heute noch dazu: schön warm! Also so richtig warm! Also… warum gammel ich nicht einfach bei nem kühlen Weizen am See *seuftz*…

Durch einen Kollegen bin ich auf den Rothenburger Halbmarathon aufmerksam geworden und hab mir die 10 Kilometer vorgeknöpft. Online-Anmeldung war problemlos über my-race-result möglich und die Strecke sah zumindest im Google-Maps ziemlich gut und relativ flach aus.

Rothenburger Halbmarathon Logo
Rothenburger Halbmarathon Logo

Mein Training war in letzter Zeit zwar eher etwas lockerer, aber dafür langt es auf jeden Fall hab ich so bei mir gedacht als ich in der Mittagspause in unserem klimatisierten Büro auf die Anmelden-Taste drückte. Etwa 4 Wochen waren noch Zeit für ein Bisschen Training und Vorbereitung. Kein Problem.

Tja – nur dieses „Draußen“ in dem man normalerweise rumläuft sieht eben aus einem klimatisierten Büro heraus betrachtet viel attraktiver aus, als es dann bei 25 Grad und knallender Sonne dann wirklich ist. Die übersichtliche Strecke ist übrigens auch desshalb so übersichtlich, weil keine störenden (schattenspenden) Bäume rumstehen. Doch von vorne…

Streckenverlauf 10K
Streckenverlauf 10K

Start zum 10K sollte um 10:20 Uhr sein, Startnummern gab es ab 8:00 Uhr auf dem Schrannenplatz (kleiner Volksffestplatz) in Rothenburg. Aus den Erfahrungen der letzten Läufe hab ich gelernt nicht all zu früh da aufzukreuzen und noch ewig rum zu gammeln bis es los geht. Also um ca. 9:00 Uhr vor Ort meine Startnummer abgeholt – die 123 – und ein wenig umgesehen.

Startnummer 123
Startnummer 123

Schon auf der Hinfahrt wurde die 20 Grad-Grenze überschritten, doch nun gab sich die Sonne noch mal richtig Mühe um auch dem Letzten klar zu machen, dass es Sommer ist! Noch war ich optimistisch, denn ich fühlte mich gut und es ging ein leichtes Lüftchen, aber schon beim kurzen Warmlaufen (hätte ich mir glaube ich sparen können) wurde mir klar, dass es heute nicht all zu viel Spaß machen würde.

Nennt mich ruhig Weichei – aber ab 22 Grad finde ich es in der Sonne nicht mehr angenehm zu laufen. Wegen mir kann es gerne -22 Grad haben – da kann ich wenigstens was dagegen tun – schneller laufen z.B. oder ne Pelzmütze (das wär doch mal ein Zielfoto!).

Der Ansager zählt von 10 auf 0 runter und meine ganz persönliche Qual beginnt. Der erste Abschnitt führt leicht berauf an der Stadmauer entlang und dann in die Altstadt – wo ich wie ein gehbehinderter Pinguin über das grobe Kopfsteinpflaster watschele. Ein viel zu schneller Pinguin wie ich anmerken möchte, aber wenn Starteuphorie und ein durch enge Gassen gehemmtes GPS zusammenkommen, dann kann das schon mal passieren.

Ab geht die Post
Ab geht die Post – ganz rechts bin ich gestartet – da war die Welt noch in Ordnung

Die Stimmung in der Altstadt langt von „gut“ bis zu „Afrikanischer Stimmungstrommelgruppe“ und lässt die ersten 1,5 Kilometer schnell an einem vorbeiziehen. Die Strecke führt dann durch ein Stadttor, über eine Straße (von Polizisten gesperrt) und schließlich durch ein Wohngebiet. Bereits hier möchte ich den einen oder anderen Bekannten erwürgen (ja – dich Flo!), der vorher gemeint hatte, es gibt nur 1-2 leichte Steigungen, die wären harmlos. Ich blicke kurz in die Runde – scheint so als hätten noch andere Läufer solche Bekannte, denn auch sie haben ein Funkeln in den Augen.

Das eingangs erwähnte Lüftchen hat sich ausgepustet und lässt die Sonne nun in aller Ruhe vernichten – ähm, verrichten meine ich, was ihr Tagwerk ist. Mein Puls ist bestimmt 10 Schläge höher als gewohnt und irgendwie hab ich wohl heute nur Diesel statt Super Plus getankt. Die erste Verpflegungsstelle kommt und geht – auch sie bringt keine wirkliche Erfrischung. Ich schwitze wie ein Bekloppter.

Streckenverlauf Profil
Streckenverlauf Profil

Die Straße biegt rechts ab, wird zu einem Schotterweg der zur Abwechslung mal richtig berauf führt. Eine recht staubige Angelegenheit und ich rutsche auch ein wenig herum. Es sind jetzt vielleicht 3-4 Kilometer vergangen und irgendwie hab ich keine Lust mehr – viel zu heiß. Mein Hirn denkt Müll – ich überege die ganze Zeit wie der Buchtitel von diesem Dora Heldt Roman hieß „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“, oder doch andersrum? Wie war nochmal das Lied mit dem brennend heißen Wüstensand und der schönen Zeit? Derjenige hatte doch auch schon einen an der Waffel! Hab ich schon erwähnt, dass ich Hitze nicht so gut vertrage?

Der fünfte Kilometer vergeht – ich denke jetzt nicht mehr viel, obwohl es leicht bergab geht. Leider ist die Strecke sehr übersichtlich (hab ich auch schon erwähnt, nicht?), so dass ich ein Stück weiter schon die nächsten Steigungen sehen kann, die auch nicht so wahnsinnig freundlich aussehen. Also nichts mit locker, sondern so gut wie möglich laufen lassen, denn bergauf wird’s ja doch langsamer.

Ein Mädel mit rosa Tape an der Wade ist schon seit geraumer Zeit vor mir – ich habe mir vorgenommen dran zu bleiben.  Nachdem es jetzt wieder in der prallen Sonne bergauf geht und auch schon wieder der Schotter grüßt ist das recht hart. Als die Kuppe erreicht ist und es wieder leicht bergab geht muss ich mich überwinden wieder das Tempo etwas anzuziehen, denn meine Uhr sagt mir gerade Kilometer 7 ist vorbei und durch das Wohngebiet muss ich schließlich auch noch mal den einen oder anderen Hügel erklimmen.

Breeeeeenend heißer Wüstensand - so schön, schön war die Zeit...
Breeeeeenend heißer Wüstensand – so schön, schön war die Zeit… kurz vorm Kollaps

Die Versorgungsstation kommt in Sicht (es handelt sich wieder um die Erste, denn die große Runde ist jetzt beendet) und ich nehme die Mütze ab um mir ein wenig Wasser rein zu gießen, aber die schlauen Helfer sehen mich rechtzeitig und rufen „Ins Gesicht? Abkühlung?“ und ich rufe nur „JAAA!“ … ich bekomme zwischen 4 und 6 Becher Wasser ab und ahhhhhh was für ein Traum!!! Das war für mich der Höhepunkt des Laufes! Definitiv! Also bis jetzt… Ich laufe weiter und die letzten 1,5 Kilometer schrumpfen glücklicherweise unter meinen Füßen in recht brauchbarem Tempo zusammen.

Ich laufe durch das Stadttor und lasse mich nochmal kurz von den Bongos/Djemben mitreißen – die geben mir den nötigen Schwung an der Stadtmauer entlang den Berg hoch Richtung Zieleinlauf zu erklimmen. Mein Laufstil ist in diesem Moment zu kotzen – ich patsche wieder wie ein Pinguin, ein fetter, betäubter Pinguin, denn ich bin völlig kaputt. Ich ziehe in Sichtweite vom Ziel noch mal leicht an – mindestens 1-2 Sekunden / Kilometer werdens schon gewesen sein (glaub ich). Meine Freundin steht am Zieleinlauf mit dem Foto und ich reiße die Arme hoch (hab ich noch nie gemacht vorher – muss an der Hitze liegen – hab wahrscheinlich jetzt auch einen an der Waffel) und laufe endlich über die Ziellinie!

Zieleinlauf
Zieleinlauf – die Sonne scheint mir das Hirn verbrannt zu haben, sonst würde ich nicht so gucken…

Ich pruste und huste und das Häuschen fällt um… oder so…. auf jeden Fall schnaufe ich wie ein Walross und suche sofort das Pavillon mit dem Wasser auf – je ein Becher zur innerlichen und äußerlichen Anwendung! Dann noch ein Becher Apfelschorle und einen Becher alkoholfreies Weizen (komm ich also doch noch zu meinem Weizen – man bringe mir bitte noch einen See).

So langsam sieht die Welt schon wieder besser aus. Dann schaun wir doch mal auf die Uhr – 52:02 Minuten – Tja die angegriffenen sub 50 waren es nicht, aber wenigstens schneller als beim letzten Lauf. Mehr war unter diesen Bedingungen für mich einfach nicht drin! Ein Pinugin fühlt sich ja auch eher auf  seiner Eisscholle wohl, und weniger in der Sauna. (In meine Fall würde der Vergleich mit dem Eisbären vielleicht besser passen – so auch von der Statur her und so, egal…)

Kurze Zeit später hängt die Liste aus – offizielle 52:01 Minuten. Platz 44 Männer und Platz 14 AKM30. Das ist genau 12 Sekunden schneller als in Bad Windsheim – ob das die Anstrengung wirklich wert war *g*?

Ergebnisse
Ergebnisse – 52:01min

Um noch ein wenig zu verschnaufen sitze ich mit meiner Freundin unter einem Sonnenschirm und lausche der Preisverleihung, als nach 2:55 Stunden der letzte Halbmarathoni mit weitem Rückstand in Sicht kommt – er ist geschätzte 75-80 Jahre alt und bekommt vom ganzen Schrannenplatz frenetischen Applaus! Zurecht! Ganz großes Kino! Mir bricht schon vom zusehen wieder der Schweiß aus!

Zum Abschluss gehe ich mit meiner Freundin noch in die Altstadt ein Eis essen, dann wird der Heimweg angetreten.

Mein Fazit

Ein sehr gut organisierter Lauf mit guter Stimmung, leider wenig Publikum und nicht ganz idealen Bedingungen (für Eisbären) – aber da kann der Veranstalter ja nichts dafür. Für mich war es auf jeden Fall hart, aber ich bin froh, dass ich es geschafft habe. Vielleicht melde ich mich nächstes Jahr aber lieber für einen Nikolaus- und/oder Drei-Königs-Lauf an.

Lauft schön,
Gruß, Andi

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